"Genießen wir die Harmonien!"

Chorkonzert in Brieske bildete Abschluss eines dreitägigen Gesangsworkshops

Zu einem Workshop trafen sich Ende vergangener Woche zahlreiche Sängerinnen und Sänger der Region. Unter Anleitung des tschechischen Chorleiters Jan Stanĕk bereiteten sich vier Chöre auf ein gemeinsames Konzert am Sonntag in Brieske vor – und lernten dabei mehr, als nur zu singen.

Mit Charme und Spaß leitete der tschechische Chorleiter Jan Stanĕk den dreitägigen Chor-Workshop in Senftenberg.
Foto: H. Schäfer

"Genießen wir die Harmonien, liebe Freunde!" Mit dieser Aufforderung stimmte der renommierte tschechische Chorleiter Jan Stanĕk mehr als 80 Sängerinnen und Sänger zum Konzert am Sonntag in der Briesker Martin-Luther-Kirche ein. Vorausgegangen war ein dreitägiger Workshop, bei dem sich der Konzertchor Senftenberg, der Volkschor Schipkau, der Stadtchor Lauchhammer und einzelne Gäste von diesem Genie auf dem Gebiet der Chormusik und Stimmbildung in den Bann ziehen ließen. Welche Klangfülle, Genauigkeit, Aussprache und Musikalität in dem zu erarbeitenden Chorauftritt stecken müssen, um ein Publikum zu begeistern, verstand Jan Stanĕk in eindringlicher Weise den Workshop-Teilnehmern zu vermitteln.

In den Proben wurde immer wieder intensiv an Details, an Lautstärke, warmen oder harten Tönen gearbeitet. Mit viel Charme und Spaß, für den die Sänger ihn lieben, hat Jan Stanĕk unermüdlich und geduldig eingewirkt. "An der Stelle ist das Atmen verboten!", "Sind wir heute ein bisschen scheu oder wissen wir die Töne nicht – beides, oje!", "Der liebe Gott hat dem Sänger zwei Augen gegeben, eines für die Noten, das andere für den Chorleiter!", "Im Konzert stoppe ich nicht, wenn ihr über die eingezeichneten Pausen singt, aber ich mache ein böses Gesicht, bis sogar die Kinder weinen!", "Frauenstimmen verzieren ein Lied, die wahre Schönheit kommt oft von den Männerstimmen!", "In meinen Chören habe ich manchmal eine sadistische Viertelstunde, in der ich jeden Einzelnen vorsingen lasse!" oder: "Seid ihr freiwillig gekommen? Dann konzentriert euch, schaut und strahlt mich vor allem an!" – diese Sätze führten stets zu herzlichem Lachen der Sänger, und große Aufmerksamkeit war garantiert. Jede Stunde intensiven Übens machte die Freude über das Gelernte größer, aber auch die Nervosität vor dem Auftritt.

Mit einem kleinen Einblick in das Repertoire jedes einzelnen Chores begann das Konzert. Das Lampenfieber wurde dann noch intensiver, als alle 85 Sängerinnen und Sänger auf den Chortreppen standen, weil letztendlich nicht nur das Publikum in der voll besetzten Kirche erfreut werden sollte. Das größte Dankeschön für den Dirigenten war sicher der mit großem Engagement, hoher Konzentration und seine Anweisungen genau befolgender Auftritt der Sänger.

Das Programm konnte vielfältiger und internationaler nicht sein – von englischsprachigen Spirituals über tschechische Volkslieder, afrikanische Songs, einem russischen Choral bis zum Zigeunerlied. Es gab also neben dem Lernen der Noten auch noch sprachliche Experimente zu bestehen. Mit tosendem Beifall und Bravo-Rufen zeigten die Zuhörer, wie gelungen das Konzert war, und entließ den Chor nicht ohne Zugabe.

Der Organisator des Workshop-Wochenendes, Sven Irrgang, kennt Jan Stanĕk seit 2003, ist mit ihm befreundet und hat zahlreiche Seminare mit ihm erlebt. "Für mich und die Chöre ist es immer wieder ein Erlebnis, Jan zu treffen. Er vermittelt nicht nur Musik und inspiriert, er lebt sie vielmehr, er selbst ist Musik!"

Jan Stanĕk ist in diesem Jahr an jedem Wochenende zu Chören in Deutschland, Tschechien, Österreich, Südtirol und der Schweiz unterwegs. Auf die Frage, woher er die Kraft nimmt, erklärt der studierte Physiker, den Sinn seines Lebens im Chorgesang gefunden zu haben. Das mache ihn zu einem glücklichen Menschen. Genau das strahlt er aus und versteht es, auf eine besondere Art, fröhlich mitzureißen und zu begeistern.

In vier Wochen, ab 17.Mai, sind Jan Stanĕk und zwei seiner Chöre zu Gast bei der Niederlausitzer Singakademie. Nach verschiedenen Aussichts- und Besichtigungsfahrten und einem umfangreichen Programm wird am 19. Mai in der Altdöberner Kirche die "Missa lyrica" des Vaters von Jan Stanĕk, Pavel Stanĕk, mit Orchester aufgeführt. Diese Tatsache und die Möglichkeit des erneuten Singens unter einem Stanìk-Dirigat begeisterten die Sängerinnen und Sänger des Workshops und machte das Abschiednehmen leichter.

 

Gabriele Philipp

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